Webhosting - Erfahrungsbericht
In diesem Artikel möchte ich über meine Erfahrungen im Webhosting berichten. Es geht vom einfachen Webspace-Paket bis hin zum Betreiben eines eigenen Racks. Gleichzeitig nehme ich damit an einer Blogparade zum Thema Webhosting teil.
In diesem Artikel möchte ich einen Überblick über meine Erfahrungen im Web Hosting geben. Den Ausschlag für diesen Artikel gab eine Blogparade zum Thema Web Hosting, an welcher ich hiermit teilnehme. Meine ersten Web Hosting Erfahrungen sammelte ich bereits 1997, als Linux-Hilfs-Administrator. Damals hatte ein Webserver noch 32 MByte RAM, interaktive Webseiten programmierten wir mit Perl und eine .de Domain kostete 50,-‚¬ pro Monat. Seit dieser Zeit ist viel passiert und ich habe Erfahrungen in allen Bereichen des Web Hosting sammeln dürfen. Im folgenden nun ein Überblick über die Möglichkeiten des Web Hosting, der sich wahrscheinlich vorrangig an Web Developer richtet.
Webspace Pakete
Die meisten meiner Internet-Projekte sind kleinere Content Management Systeme mit eher geringem Traffic. Hierfür habe ich mir bei WebhostOne einen Reseller-Account gemietet, wo man ein sehr gutes Preis/Leistungs-Verhältnis erhält. Für Web Developer dürfte hier interessant sein, dass jeder Serverdienst bis ins kleinste konfigurierbar ist und die Serverdienste gut vorkonfiguriert sind. Ausfälle gab es bisher nur einmal beim Apache, der wurde aber binnen weniger Stunden behoben. Bei der Anbindung und der Serverauslastung hatte ich bisher keinerlei Probleme. Nachteil ist hier, dass man direkter Vertragspartner vom Kunde ist und somit in der Verantwortung steht. Deshalb würde ich diese Lösung nur für unkritische Projekte empfehlen.
Bei Projekten, die ein wenig mehr Rechenleistung benötigen (z.B. CMS mit etwas mehr Traffic) oder wo die Erreichbarkeit eine größere Rolle spielt, vermittle ich meist ein eigenes Webspace-Paket der Webpack Pro Reihe von Host Europe. Hier wird eine CPU-Leistung zugesichert, wodurch man unabhängig wird von anderen Nutzern des Shared Hosting Servers. Zudem ist man als "nur"-Vermittler aus der Verantwortung raus und ein Hosting Anbieter wie Host Europe kann den Service meist sowieso besser anbieten als ein Freelancer wie ich.
Schlechte Erfahrungen bei Webspace-Paketen habe ich mit 1&1 und Strato gemacht. Die Server sind hier oft so langsam oder überlastet, dass es bei einem CMS oft zu Verzögerungen bei der Seiten-Auslieferung kommt. Die Serverdienste sind schlecht vorkonfiguriert (bei 1&1 ist noch PHP4 Standard) und lassen kaum eigene Einstellungen zu. Bei 1&1 fehlen selbst die Serverlogfiles. Bei Strato ist die Datenbank sehr langsam, ich vermute, dass hier seperate Datenbankserver zum einsatz kommen, die oftüberlastet sind. Hinzu kommen die allgemein bekannten Probleme mit dem Support.
Dedizierter Server
Wird das Webprojekt größer und der Traffic höher, ist der Schritt vom einfachen Webspace Paket zu einem dedizierten Server nicht mehr weit. Damit hat man dann die volle Rechenleistung und Speicherplatz eines Servers für sich allein. Hier gibt es 3 Varianten:
- Root Server
- Managed Server
- Eigene Hardware
Bei den ersten beiden Varianten kümmert sich der Hosting Anbieter um die Hardware, bei der letzten Variante mietet man "nur" einen Serverplatz in einem Rechenzentrum und kann dort eigene Hardware unterbringen.
Beginnen wir mit dem Root Server. Der größte Vorteil hier ist der Preis - Root Server gibt es ab 40‚¬/Monat. Ein weiterer Vorteil ist, dass man keinerlei Restriktionen unterliegt. Ein Root Server wird (meist mit Linux und den üblichen Server-Diensten) vorkonfiguriert übergeben. Ab dann ist man auf sich allein gestellt. D.h. man kann installieren und konfigurieren, was man will, ist aber auch für die Stabilität und Sicherheit des Servers verantwortlich. Man sollte den Aufwand der Administration eines Internet-Servers nicht unterschätzen, auch ist einiges an Erfahrung nötig. Geht etwas schief, gibt es meist die Möglichkeit, den Server wieder in den Ursprungszustand zurück zu versetzen. Dadurch sind dann allerdings auch alles Updates und Konfigurationen zunächst weg. Natürlich kann man auch den Support des Hosting Anbieters bemühen, der sich das aber dann gut bezahlen lässt.
Mein Favorit ist der Managed Server. Hier beginnen die Preise bei etwa 100‚¬/Monat. Bei den Projekten, wo ein dedizierter Server nötig wird, sollte dieser Betrag aber eigentlich kein Problem sein. Bei einem Managed Server kümmert sich der Hosting Anbieter um die Administration und Wartung des Servers. Gerade für Freelancer wie mich spart dies wertvolle Zeit und man kann sein Bier abends etwas entspannter genießen. Der Nachteil dieser Variante ist, dass eine größere System-Änderung mit dem Hosting Anbieter abgesprochen werden muss, da dieser ja für die Sicherheit des Systems verantwortlich ist.
Die Lösung für echte Männer ist das Betreiben eigener Hardware. Hier stellt man den Server in seinem Büro selbst zusammen und schafft ihn dann in das Rechenzentrum des Anbieters. Dieser bietet einen Platz für den Server und ein Netzwerk- und Stromkabel. Die Räume (und Racks) in den Rechenzentren sind klimatisiert und haben eine abgesicherte, unterbrechungsfreie Stromversorgung. Die Kosten berechnen sich hier meist nach Höheneinheiten. Gewöhnliche Servergehäuse haben eine Breite von 19" und eine Höhe zwischen ein und vier Höheneinheiten. Bei einem Server mit einer Höheneinheit bezahlt man eine geringere Monatsgebühr, hat aber auch weniger Platz für Festplatten, Lüfter und Co. Ich würde hier einen Server mit zwei Höheneinheiten empfehlen. Beachtet, dass Ihr gute Lüfter verwendet, das häufigste Problem bei Servern mit wenig Höheneinheiten ist die Wärmeentwicklung. Gerade bei einer höheren Auslastung des Prozessors und dem Betreiben von mehreren Festplatten entsteht eine nicht zu unterschätzende Wärme. Bei uns sind AMD-Prozessoren übrigens häufiger stehengeblieben als die von Intel, aber das ist von verschiedenen Umständen abhängig. Beim Betriebssystem haben wir mit FreeBSD die besten Erfahrungen gemacht, nach einigen Enttäuschungen mit SuSE-Linux. Generell ist aber Linux auch eine gute Wahl für einen Internet-Server. Von Windows würde ich eher abraten, aber das ist Geschmackssache. Der Vorteil bei eigener Hardware ist, dass man in der Leistung nicht begrenzt ist. Man kann soviel Prozessoren und Festplatten in den Server bauen, wie es der Platz im Gehäuse hergibt. Der Nachteil gegenüber einem Rootserver ist, dass man Hardware-Probleme selbst vor Ort lösen muss. Auch Ersatzteile haben die Hosting Anbieter erfahrungsgemäß nicht zu bieten - naja, sie sind ja auch kein Computerladen.
Serverfarm im eigenen Rack
Stellt sich der ganz große Erfolg im Internet ein, reicht oft auch ein dedizierter Server nicht mehr aus. Hier müssen andere Lösungen her. Datenbanken werden auf mehrere Server verteilt und Webserver verteilen ihre Last mittels Load Balancing oder anderen Techniken auf mehrere Server. Dann mietet man oft ein eigenes Rack in einem Rechenzentrum. Man kann auch ein halbes oder gar ein viertel Rack mieten, je nachdem was man benötigt. Hierbei ist zu beachten, dass zu den Servern auch die Verkabelung hinzukommt. Es ist also auch ein Switch und möglichst ein Router notwendig. Bei der Anmietung eines Racks erhält man einen klimatisierten 19"-Serverschrank, worin man einen Netzwerk- und einen Stromanschluss vorfindet. Auch hier ist die Stromversorgung meist durch Batterien und Dieselgeneratoren abgesichert. Was man in dem Rack anstellt, ist jedem selbst überlassen. Jedes Rack ist mit einem Schlüssel abschließbar. Zur Wartung stehen oft Rollwagen mit Monitor und Tastatur zur Verfügung. Wer eine längere Wartung in einem Rechenzentrum plant, sollte sich warm anziehen, die Klimaanlagen blasen einem ganz schön um die Ohren. Hinzu kommt der deutlich spürbare Elektro-Smog.
Die Wahl des Rechenzentrums richtet sich nach örtlicher Nähe, Preis und Anbindung/Absicherung. Wir hatten ein Rack in einem Rechenzenrum in Nürnberg gemietet, was für uns einen Kompromis aus Preis/Nähe/Anbindung darstellte. In den Rechenzentren gibt es auch Support, der sich in verschiedene Qualifikationen teilt. Der First-Level-Support ist der teuerste. Am billigsten ist es, per Telefon einen Mitarbeiter des Hosting Anbieters zu bemühen, einen Reset-Knopf zu drücken.
Bei dieser Variante sollte man überlegen, ob man die Kapazitäten hat, eine Serverfarm selbst zu betreiben. Andernfalls ist es ratsam, diesen Service auszulagern.
Domains
Bei allen bisher vorgestellten Hosting Varianten bietet es sich an, die Domains bei einem seperaten Anbieter zu beziehen. Zum einen bekommt man dadurch günstigere Konditionen, zum anderen, was viel wichtiger ist, gibt man nicht die volle Kontrolle seiner Internet-Projekte an einen Anbieter. Hinzu kommt, dass auf Domainhandel spezialisierte Anbieter häufig aufgefeiltere Administrations-Tools für das Domain-Handling haben und auch die Registrierungen schneller/problemloser möglich sind.
In der Praxis läuft das so ab, dass man zunächst ein Webspace-Paket bei einem Anbieter oder eigenem Server einrichtet und (wenn auch dort gewollt) die Nameserver konfiguriert. Hier fragt man am besten den Hosting Anbieter, wie man in diesem Fall vorgehen sollte. Danach registriert/überträgt man die Domain bei seinem Domain-Registrar. Man hat die Wahl, auch dessen Nameserver zu benutzen.
Im Falle eines Problems beim Webspace oder gemietetem Server hat man die Domain innerhalb kürzester Zeit auf einen anderen Webspace/Server konfiguriert.
Fazit
Eine generelle Empfehlung kann man beim Web Hosting nicht geben. Die Auswahl der Hosting Variante und des Anbieters richtet sich nach den Anforderungen. Zusätzlich kommt die Überlegung hinzu, ob man Personal und Arbeitszeit für die Administration eines Root Servers oder gar eigener Hardware aufwenden kann und ob sich das finanziell auch rechnet. Ich bin der Meinung, dass sich jeder auf seine Kernkompetenzen konzentrieren sollte.
Kleinere und unkritische Projekte mit geringen bis mittleren Anforderungen lassen sich unkompliziert auf einem Reseller Account oder einem Managed Server betreiben. Hier kann man noch ein paar Euro dazu verdienen und kleinere Kunden stärker an sich binden.
Bei kritischen Projekten übertrage ich als Web Developer die Verantwortung, die das Web Hosting mit sich bringt, lieber an ausgewählte, spezialisierte Anbieter. Hier nimmt man dem Kunde zwar das komplette Handling ab, muss sich aber nicht um die Administration und Wartung der Technik kümmern. Die gewonnene Zeit kann man sinnvoll für seine Kunden oder den Partner im trauten Heim verwenden, oder auch für das längst überfällige Bierchen mit einem alten Freund.
In diesem Sinne
Euer Andiministrator und seine Katzen

Kommentare:
Hi Andi,
freut mich deinen Beitrag in der Blogparade begrüßen zu dürfen. Der Beitrag ist ja sehr umfangreich geworden und es freut mich, dass du die einzelnen Varianten so gut Erklärt hast.
Viele Grüße,
Nils
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